Kleine Anleitung zur Organisation eines Webseiten Auftrages

Damit ein Auftrag reibungslos über die Bühne geht, sollten sich Auftraggeber und Auftragnehmer an einige simple Spielregeln halten, um Missverständnissen vorzubeugen. Diese Spielregeln sollen hier dargestellt werden.




1. Das Lastenheft

Es beginnt damit, den Auftrag für eine Webseite klar zu formulieren. Dazu sollte der Auftraggeber ein Lastenheft anlegen. Ein Lastenheft, auch Anforderungsspezifikation oder Requirements Specification genannt, beschreibt die unmittelbaren Anforderugnen durch den Besteller eines Produktes. Oft hat man hier die ersten Startschwierigkeiten, da man nicht genau weiß, wie und womit man anfangen soll. Als Hilfestellung kann hier vielleicht der Gedanke helfen, dass Sie in einem Softwarehaus einem Verkäufer erklären, welches Produkt Sie eigentlich gerade suchen. Dies hilft in der Regel um sich darüber klar zu werden, welche Funktionen Ihre Webseite erfüllen soll. Dies sollten sie im Lastenheft formulieren. Als Webentwickler sollten Sie diesen Prozess unterstützend begleiten, da der Auftraggeber selten wirklich weiß, was es bedeutet, eine Webseite zu entwickeln und auf was es bei der Entwicklung ankommt und somit im Lastenheft zu berücksichtigen ist. Sie sollten das Lastenheft übersichtlich halten und durch Tabellen und Skizzen ergänzen, da eine Skizze oft mehr sagt als 1000 Worte.

Die folgende Struktur, dem hervorragenden Lastenheft Beispiel von Stefan Baur entnommen, soll zur Orientierung dienen, welche Informationen das Heft enthalten sollte:

  1. Zielsetzung: Welche Ziele sollen durch den Einsatz der Software erreicht werden?

  2. Produkteinsatz: Für welche Anwendungsbereiche und Zielgruppen ist die Software vorgesehen?

  3. Produktfunktionen: Was sind die Hauptfunktionen des Produktes aus der Sicht des Auftraggebers?

  4. Produktdaten: Was sind die Hauptdaten des Produktes aus der Sicht des Auftraggebers?

  5. Produktleistungen: Werden für bestimmte Funktionen besondere Ansprüche in Bezug auf Zeit, Datenumfang oder Genauigkeit gestellt?

  6. Qualitätsanforderungen: Auf welche Qualiätsanforderungen (Zuverlässigkeit, Robustheit, Benutzungsfreundlichkeit, Effizienz, ...) wird besonderen Wert gelegt?

  7. Ergängzungen: Gibt es noch aussergewöhnliche Anforderungen?

Ergänzend dazu sollte noch erwähnt werden, dass das Lastenheft auch die Abnahmekriterien enthalten sollte, also jene Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit das Produkt schließlich durch den Auftraggeber abgenommen wird.


Weitere Informationen zum Lastenheft finden Sie hier:

http://www.stefan-baur.de/cs.se.lastenheft.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Lastenheft




2. Das Pflichtenheft

Nachdem der Auftraggeber nun seinen Auftrag im Lastenheft formuliert hat, muss der Auftragnehmer, also der Webentwickler, mit einem Pflichtenheft nachziehen. Dieses Pflichtenheft, auch Fachspezifikation, Fachfeinkonzept oder Feature Specification genannt, stellt die Interpretation der Anforderungen des Bestellers durch den Hersteller dar. Dabei soll das Heft nur die nachprüfbaren Leistungen und Lieferungen enthalten. Es ist üblicherweise in den Werksvertrag mit aufzunehmen und damit vertraglich bindend. Die Inhalte des Lastenheftes sind im Pflichtenheft präzisiert, vollständig und nachvollziehbar. Darüber hinaus enthält es die technischen Spezifikationen und Lösungswege, die für die Durchführung des Auftrages notwendig ist.


Helmut Balzert, Autor des Lehrbuchs der Software-Technik, empfiehlt dabei folgende Gliederung des Pflichtenheftes:

  1. Zielbestimmungen: Welche Leistungen sind für das Produkt unabdingbar, welche wünschenswert und welche Ziele sollen bewußt nicht erreicht werden.

  2. Produkteinsatz: Welchem Zweck dient die Webseite, wer soll sie nutzen?

  3. Produktumgebung: Welche Softwaresysteme müssen zur Verfügung stehen (bspw.: PHP, MySQL), welche Hardware (Server) usw.

  4. Produktinformationen: Listen Sie hier die einzelnen Funktionen und ihre Leistungen auf. Dabei geht es nicht so sehr darum, wie dies realisiert wird, sondern vielmehr, was realisiert wird.

  5. Produktdaten: Welche Daten werden durch das Produkt gespeichert?

  6. Produktleistungen: Welche zeit- und umfangsbezogenen Anforderungen werden an das Produkt gestellt?

  7. Benutzeroberfläche: Hier kommen die näheren Bestimmungen zum Layout usw. rein. Scheuen Sie sich nicht, auch Skizzen beizulegen.

  8. Qualitätsbestimmungen: Hier werden Anforderungen, wie beispielsweise eine valide HTML-Programmierung nach HTML 4.0 o.ä., hinterlegt.

  9. Testszenarien und Testfälle: Was sind die typischen Szenarien, die eine Webseite erfüllen muss? Beispielsweise Registrierung, Login usw.

  10. Entwicklungsumgebung: Welche Soft- und Hardware wird für die Entwicklung der Webseite benötigt?

  11. Ergänzungen: Lizenzen, Patente, Installationsbedingungen und was sonst in keine der Kategorien passte.

  12. Glossar: Ein Glossar kann sehr nützlich sein, insbesondere wenn der Auftraggeber sich mit den Fachtermini nicht besonders auskennt.


Stefan Baur hat ein sehr lesenswertes Beispiel Pflichtenheft erstellt.


Weitere Informationen zum Pflichtenheft finden Sie hier:

http://www.stefan-baur.de/cs.se.pflichtenheft.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Pflichtenheft




3. Fazit

Schon diese beiden Schritte, zusammen mit einem ordentlichen Vertrag, verhindern die sonst sehr schnell auftretenden Probleme und Missverständnisse zwischen Webseitenbetreiber und Webseitenentwickler und sollten von beiden Parteien beherzigt werden. Wer sich weiter in die Materie zur Softwareentwicklung vertiefen möchte, dem sei die Homepage von Stefan Baur empfohlen, sowie das Lehrbuch der Software-Technik, Software-Entwicklung, m. CD-ROM von Helmut Balzert.

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